Wohlergehen und Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz

Rückblick auf die Veranstaltung vom 9. Mai 2017 in der Roten Fabrik in Zürich im Rahmen der SAGW-Reihe "Wohlfahrt und Wohlergehen"

Nach einem wunderbaren musikalischen Auftakt, mit dem Thea Steward uns mit zwei Songs auf das gemeinsame Nachdenken eingestimmt hatte, wurde in vier Beiträgen das Verhältnis von Wohlfahrtsproduktion, Wohlergehen und Wohlbefinden als deren Ziel sowie die Rolle von Partizipation in diesem Kontext näher erläutert.

Catrin Heite führte zunächst in wohlfahrtstheoretische Hintergründe ein, bevor Franziska Schlattmeier einen Einblick in den aktuellen Forschungsstand zu Wohlergehen und Wohlbefinden von Kindern in der internationalen Forschungslandschaft sowie im Speziellen in der Schweiz gab. Sie machte dabei vor allem auch auf das Fehlen entsprechender qualitativer Studien aufmerksam.

Beide Beiträge zeigten auf, dass im wohlfahrtsstaatlichen Arrangement Unterstützung in prekären Lebenslagen bereitstellt wird und grundsätzlich sozialstaatlichen Gedanken wie sozialem Ausgleich, materieller Umverteilung und dem Prinzip der Solidarität gefolgt wird. Folglich wird einerseits unterstützend – also bildend, erziehend, fördernd – auf Kinder eingewirkt, um ihre Handlungsfähigkeit, Autonomie sowie ihre Teilhabe und Teilnahme an Gesellschaft zu fördern. Es wird damit einhergehend andererseits auch disziplinierend, normierend und kontrollierend auf Kinder und ihre Familien zugegriffen, wenn beispielsweise vermeintlich mangelnde Erziehungskompetenzen von Eltern problematisiert werden oder die Gewährleistung des Kindeswohls in einer Familie nicht gesichert erscheint und Massnahmen des Kindesschutzes wie etwa Beistandschaft oder Inobhutnahme installiert werden. Ergänzt wurden diese beiden Beiträge anschliessend durch empirische Auszüge aus zwei Projekten: einer studentischen Forschungswerkstatt zu child well-being, aus der Morad Salah empirische Beispiele zeigte und mit den Zuhörenden diskutierte sowie einem ethnographischen Partizipationsforschungsprojekt, aus dem Anna Schnitzer Auszüge vorstellte.

Beide Beiträge konnten deutlich machen, wie bedeutsam es ist, die Sicht der Kinder auf ihr Wohlbefinden bzw. auf ihre Partizipationsmöglichkeiten zu erfassen. Das erste Projekt konnte in Bezug auf das Wohlbefinden von Kindern im Sport auf der Basis empirischer Ausschnitte zeigen, dass Anerkennung und Emotionen für das subjektive Wohlbefinden im Sport von großer Bedeutung sind. Diese an den Massstäben der Leistungsgesellschaft orientierten Konzepte werden auf der individuellen sowie der kollektiven Ebene, beispielsweise in Form von Einlagerung in Materialität (Pokale), sichtbar. Aus den Überlegungen des zweiten Projektes heraus wurde deutlich, dass Kinder zwar der Unterstützung Erwachsener bedürfen, die ihnen Mitbestimmungsmöglichkeiten eröffnen und sie diese durchaus schätzen, dass aber auch die Zurückweisung von Partizipationsgelegenheiten von Seiten der Kinder immer mitgedacht und ermöglicht werden muss, wenn dem Wunsch nach (Nicht-)Beteiligung gebührend Raum gewährt werden soll.

Die ausgiebige und angeregte Diskussion im Anschluss wurde von Peter Rieker moderiert und mit einigen zusammenfassenden Überlegungen gebündelt. Die Diskussionen wurden beim Apéro weitergeführt, musikalisch begleitet von den großartigen Musikerinnen und Musikern um Thea Steward.
Die im Vergleich zu anderen wissenschaftlichen Veranstaltungen innovative Rahmung fand in der Roten Fabrik die geeignete Location. Die ungezwungene Atmosphäre dort und die musikalische Untermalung haben neben den Beiträgen sowohl der Referierenden als auch der Gäste zu einem sehr spannenden, angeregten und vernetzenden Abend beigetragen.

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